27.11.14

ulma proudly presents samt giveaway ...



... die fabelhafte ...

teresa präauer



bearbeitetes fotofundstück, 2012 (aus der ausstellung im kubin-haus)
[via]












































hand aufs herz :: der heutige beitrag macht das meine ein wenig stolpern, freudig; und aufgeregt auch. denn mit einer ganz besonderen frau habe ich mich unterhalten, mit einer, die den künstlerischen feldern wuchtig-subtil und leichthändig-pointiert eine forsche ästhetik einzeichnet und -schreibt, eine energische poesie, in der sich das leben beherzt bei der kunst unterhakt und umgekehrt. mit einer, bei der man das gefühl nicht los wird, dass da etwas trotzig tuckert in der tiefe eines unterfutters aus witz im besten sinne, witz und geist, das fest davon überzeugt ist, dass muss, was muss; und die weiß, was sie tut. mit einer, die anzukündigen mir so schwerfällt, wie es mir leichtfallen müsste. so lange wir einander schon kennen – auf kinderbeinen stapften wir noch durch die welt –, so sehr freue ich mich über ihren besuch hier. danke und ein siebenfaches olè.


+ du hast germanistik und malerei studiert. zunächst waren es deine bildnerischen arbeiten, mit denen du an die öffentlich getreten bist – in form von ausstellungen (die letzte einzelausstellung »wie eine vielleichthand« im herbst 2012 im kubin-haus in zwickledt/oberösterreich, aktuell eine ausstellungsbeteiligung in der linzer landesgalerie »Frisch eingetroffen«, noch bis 15.3.2015), bald aber auch auf dem buchmarkt :: 2010 erschien das kinderbuch »Die Gans im Gegenteil«, dessen text vom österreichischen bestseller-autor wolf haas stammt und für das du die illustrationen gemacht hast. vorausgegangen war dem 2009 das postkartenbuch »Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken«, in dem text und zeichnung, beide aus deiner hand, einander begegnen und zwischen polarität und einklang changierend miteinander spielen. 2012 schließlich hast du die literarische bühne betreten – und zwar fulminant: dein erster roman »Für den Herrscher aus Übersee« wurde von der literaturkritik mit viel positiver resonanz bedacht und mit dem »aspekte«-literaturpreis ausgezeichnet. und nun, zwei jahre später, ist bereits dein zweiter (mit nicht minderem beifall aufgenommener) roman »Johnny und Jean« im wallstein verlag erschienen. wenngleich du nach wie vor auch im bereich der bildenden kunst produktiv bist, scheint hieraus ein weg von der bildnerischen arbeit hin zur literarischen ablesbar zu sein. kannst du ihn kurz skizzieren, abseits des aus ausstellungs- und veröffentlichungsdaten konstruierbaren? wie ist es dazu gekommen? 

Es führen, glaub ich, wirklich viele Wege nach Rom. Ich hab immer schon gern gezeichnet und gelesen. Als Studentin wollte ich bildende Künstlerin sein oder werden, die Literatur hat mich einfach wissenschaftlich interessiert. Nach dem Studium hab ich versucht, ein Dissertationsvorhaben zu formulieren. Es hätte geheißen »Von der Abwesenheit«, hehe. Aber ich hab mich nicht beschränken können auf ein methodisches Vorgehen, vielleicht hätte ich es auch nicht ausgehalten auf Dauer und wäre selbst in irgendeine Abwesenheit gekippt. 
Außerdem hab ich gemalt und sehr kurze Stoptrickfilme [z.b. »Marienlied«, anm. d. verf.] gedreht und Ausstellungen gemacht und Sachen eingereicht, über zehn Jahre lang nach dem Studium. Und ich muss sagen, es hat, neben Zuspruch, auch ein paar gezählte Watschen gegeben. Aber dann muss man umso mehr weitermachen. Und über vieles, was einen in dieser Zeit des Erwachsenwerdens umtreibt, hab ich ja, verkürzt und pointiert, in »Johnny und Jean« geschrieben. 



ausschnitt buchcover »Die Gans im Gegenteil«
[via]




















+ die malerei und die literatur gelten als weitgehend klar voneinander abgegrenzte teilbereiche der kunst. wo siehst du parallelen, wo schnittpunkte zwischen diesen beiden künstlerischen ausdrucksformen, ganz allgemein und speziell mit blick auf deine arbeit? 

Stimmt, danach werde ich auch oft gefragt. Aber ich sehe diese Grenzen nicht. Gerade im Medium Buch haben sie von Anfang an zusammengehört: die Zeichnung und der Text. Eigentlich alles, was mich interessiert, glaubt den aufgestellten Grenzen nicht. Das nächste ist ja, dass manche Leute immer noch zwischen E und U unterscheiden, zwischen Kunst und Unterhaltung. Ich glaube, dass das eine einzige unproduktive Selbstbeschränkung wäre, diese Grenzen mit aufrecht zu erhalten. 


+ um auf den produktiosprozess selbst zu sprechen zu kommen: in welchem quantitativen verhältnis stehen die bildende kunst und die literatur in deinem künstlerischen arbeitsalltag zueinander, auch: schlägt dein herz für eines von beiden mehr? und wie beeinflussen und ergänzen sich beide? 

Es ist wirklich ziemlich fifty-fifty, um es mit Liesl Gehrer zu sagen. Ich glaube, dass das Dampfen in mehreren Gassen eine große Freiheit mit sich bringt. Man ist schwieriger einzufangen. 




2 aus 50 zeichnungen für das magazin »Quart« 





































+ stehen beide in konkurrenz zueinander?

Nein, konkurrenzlos. Manchmal finde ich in der Literatur angenehm, dass es nicht um so große Geldsummen geht. Das zieht ein anderes Publikum an. In der Kunst gibt es, was die sogenannte Verwertung anbelangt, mehr zu verlieren und mehr zu gewinnen. Das ist oft unsympathisch, aber es ist dafür auch mehr los. Die Literaturwelt ist da ein bisschen verschnarchter und mode-resistenter. 


+ arbeitest du an mehreren projekten parallel?

Am Schönsten beim Schreiben und Zeichnen ist eigentlich der Moment, wo man sich nur auf diese eine Arbeit konzentrieren kann. Ich arbeite sehr gern und viel, und ich bin, wenn es gelingt, erst dadurch und danach wieder richtig bei Kräften. Ich wiederhole ja gern einen Satz vom Zeichner Hans Traxler, nämlich: »Zeichnen kann leben retten.« Und das stimmt, bildlich und wirklich. 


+ welcher teil ist der lustbetonteste? und was ist am schwierigsten/kostet dich am meisten energie/überwindung?

Die Arbeit am Schreibtisch ist demnach die lustvollste. Aber ich mag auch die Lesungen sehr gerne. Knapp davor nicht, da würde ich am liebsten daheimbleiben. Aber auf der Bühne dann liebe ich es einfach, schnell auf unterschiedlichste Situationen reagieren zu müssen. Ich glaube nicht, dass jeder Autor auf die Bühne muss oder dass ein Buch nicht ohne seinen Autor als Fortsatz auskommt. Aber, von der bildenden Kunst her gedacht, haben mich Elemente des Performativen immer schon fasziniert.



buchcover »Johnny und Jean«
[via]





















































+ lesungen — ein gutes stichwort :: du bist zurzeit mit deinem zweiten roman auf lesereise. bleibt da raum fürs schreiben, fürs künstlerische tun?

Weniger. Ich mache die Lesungen gerne, aber es ist eigentlich das Gegenteil von der Schreibarbeit davor. 


+ zwei klassiker müssen sein :: wie sieht ein typischer alltag bei dir aus? und ganz reporterhaft :: wohin geht es? 

Ich versuche, jeden Tag zu arbeiten. Aber ich mach auch viel Pause. Ich gehe eher spät schlafen, nach Mitternacht, und stehe gern nicht allzu früh auf. Im Moment mache ich viele kleinere Dinge, Artikel [z.b. auf der plattform »Freitext – Feld für literarisches Denken«, anm. d. verf.], Essays, Illustrationen. Und das nächste Buch ist im Kopf. 


+ fragte dich ein/e undbedarfte/r danach, wie würdest du deinen künstlerischen/literarischen stil beschreiben?

Ich denke, es ist eine klare, gegenständliche Sprache, in der ich schreibe, die der Vorstellungskraft der Leserinnen und Leser vertraut. Ich hoffe, dass man beim Lesen weinen und lachen kann, wirklich. Und dass Literatur Lust macht auf die Erfindung der Welt – durch Sprache und in Bildern. Es gibt ganz wenige Bücher, die mein Leben verändert haben, aber so etwas vergisst man nicht. Das vergess ich den Autorinnen und Autoren nicht. 



ein stück welterfindung in form von teresa präauers aktuellem roman »Johnny und Jean« darf ich unter euch verlosen. für den lostopfsprung hinterlasst bitte einfach bis 1.12.2014 mitternachts einen kommentar unter diesem beitrag.


die autorin selbst daraus lesen zu hören, gibts jede menge gelegenheit — hier die nächsten termine.



– ich danke dir, teresa. und ich danke dem wallstein verlag. –



(alle bilder :: arbeiten von teresa präauer)

Kommentare :

  1. oh, wie wunderbar. ich mag deine illustrationsbuchtipps so sehr! das interview hört sich nach einem leben und schaffen an, dass ich auch gerne mal ausprobieren würde. mein tiefster respekt für leute, die sowas können, auch wenn es "watschen" gibt.
    in den lostopf hüpfe ich natürlich auch gerne.
    liebe grüße,
    jule*

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  2. also ulma, du bist der wahnsinn...

    wen hast du denn da schon wieder für uns eingefangen!
    von der weite bewundert und jetzt endlich mehr wissend...

    ein großer dank an beide beteiligten - so gut!

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  3. "Ich glaube, dass das Dampfen in mehreren Gassen eine große Freiheit mit sich bringt. Man ist schwieriger einzufangen." "Ich versuche, jeden Tag zu arbeiten. Aber ich mach auch viel Pause." Hier finde ich mich ja wieder... Und ich habe seit Langem mal wieder Lust einen Roman zu lesen... Danke dir, liebe Ulma, für solche Entdeckungen hier bei dir, Kostbarkeiten. Lieben Gruß Ghislana

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  4. schönes interview!
    und das zitat "zeichnen kann leben retten" merke ich mir - so manches mal habe ich nämlich ein ähnliches gefühl!

    das buchcover und der inhalt sieht mir interessant aus, da springe ich doch glatt kopfüber ins töpfchen rein!

    liebe grüße, doro

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  5. so viel g'scheite und schöne worte. dank und dank euch.
    lesen muss ich mehr davon.
    vielleicht mit glück. und sonst mit der buchhändlerin meines vertrauens.
    grossgruss, martina

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  6. So ein intensiver Blick, schon mal Klasse, zum Lesen komme ich später nochmal, flinke grüße kaze

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  7. "dass Literatur Lust macht auf die Erfindung der Welt", "das Dampfen in mehreren Gassen" - alleine sätze und aussagen wie diese machen mir lust auf mehr. ein fein geführtes und ebenso fein beantwirtetes interview! habt dank! und man merkt - ihr kennt euch gut. das macht mich noch neugieriger aufs lesen - mit glück oder per buchhandlungsbesuch ;)
    lieben gruß
    dania (die wieder weiß, warum sie kaum mehr schreibt - das lange aufbleiben und späte aufstehen - so schwer geht das mit kind; und die schönste zeit zum schreiben ist einfach die, wo rundum alles schläft und still ist und nichts und niemand etwas von mir will außer die gedanken und worte und figuren eines textes...)

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  8. Tausend Dank für die Vorstellung, liebe Ulma.
    Als frische Kunst- und Germanistikstudentin muss ich natürlich auch bei der Verlosung mitmachen. Ich kann gar nicht anders. Es wäre sehr großartig, wenn das Glück diesmal auf meiner Seite wäre. Sonst wünsche ich es mir wohl zu Weihnachten ...
    Gruß, M.

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  9. Ich mag multibel (multipel? multiple?) begabte Menschen, die sich nicht festlegen wollen, denn was querdenkenden Köpfen entspringt, ist automatisch vielvielvielschichtiger als die Ergüsse eindimensionalen Denkens. :-)
    Es gibt wohl kaum bessere Gründe, ein Buch zu kaufen und zu lesen, als ein/e Autor/in, die einem per Interview sympathisch ist. Insofern... danke an Ulma für die Vorstellung und an Teresa für die Performance. Jetzt bin ich neugierig.

    Herzlich, Katja

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  10. hoppla. wuchtig- im, guten.
    dampfen auf verschiedenen gassen.
    da lichtet es sich mir einmal. (diedieimlebenzwarschonvielstverschiedenesaberzeitgleichstetseinsexessivstbetriebenhat.)
    sag, hast post bekommen?
    S.

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  11. die "mehreren gassen" kommen mir sehr entgegen. und pausen grundsätzlich auch. danke fürs vorstellen, ich mag das bearbeitete fotofundstück so gern. und ich denke, das buch würde auch platz auf meinem weihnachtsteller finden - es sei denn, ich gewänne es vorher.
    liebe grüße!

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  12. Ich liebe Gänse - und die, die ich eben sehen durfte....die ist so DA!...wie die Gans, die mir mein Großvater immer dann in mein Zimmer ließ wenn ich zu lange schlief, zielsicher landete sie immer auf Augehöhe vor meinem Bett......und der Anspruch für den Leser verständlich zu bleiben und ihn mit Tränen in den Augen, einem Lächeln um die Lippen und einem reicheren Herzen zurückzulassen ist wunderbar.....ach Mensch Ulma.....wie oft hab ich schon daran gedacht Bilder von mir und meinen Gedichten zu zeigen....nicht das meine Bilder was besonderes wären, aber tuntät ichs gern...und jetzt zeigst du mir jemanden, der die Verbindung von malen und schreiben gut und richtig findet....was es ja auch ist

    Und eben hörte ich den schönen Satz "Der Herbst ist der Frühling des Winters"

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  13. ich lese sie so gern, -deine beiträge! sie sind allesamt eine bereicherung und eine freude, weil du den dingen und auch den menschen einen speziellen aus-druck verleihst. hier also ein dankeschön und ein mithineinhüpfen in den lostopf -heute allerdings ausnahmsweise noch vor mitternacht, aber kurz davor! auch ein gruß aus mehreren gassen. das bild ist wunderbar, und daß man dann in der freiheit schwerer einzufangen ist. zum glück gibt es doch einige davon, die keine trennung machen können und wollen, zwischen kunst, wort und klang und all den teilchen, die doch immer zusammengehören.

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  14. ...das dampfen in mehreren gassen...an dieser stelle populär und höchst sympathisch. spannend, die dame! danke fürs vorstellen.
    liebengruß von sandra

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  15. so schade, dass ich sie verpasst habe.
    doch ihr buch steht auf meiner wunschliste.
    weil es mich ruft. irgendwie.
    weil ich es lesen will & muss.
    weil der einband so wunderschön ist.
    und weil sie eine so interessante frau zu sein scheint.

    ja, und weil eben.

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  16. wunderbar - dank euch beiden! ich bin ganz erfüllt, angeregt, und möchte auch gleich mehr leesen. wie sehr hab ich mich schon auf solches gefreut, hier bei dir :-)

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  17. Hach, den aufgestellten Grenzen nicht glauben zu wollen - das spricht mir so sehr aus dem Herzen. Und überhaupt. Danke!
    Liebe Grüße
    Christiane

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  18. Vielen lieben Dank fürs Vorstellen Ulma! Teresa Präauer war mir bis hier gänzlich unbekannt. Wie Schade - und wie gut, dass sich das nun durch Dich ändern wird. : )
    Hab einen schönen Tag! Julika

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  19. Danke für`s schöne interview. Ich bin immer wieder begeistert wie viele tolle frauen es gibt die mit ihren künsten das eigene leben bereichern!
    Ich würde mich sehr über das buch freuen, es wär ein wunderschönes weihnachtsgeschenk für mich persönlich.
    liebe ulma, ich wünsch dir eine schöne neue woche!
    illa

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  20. vielen Dank fürs Vorstellen. Vielleicht habe ich ja Glück...

    annekat

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  21. Ich kaufe Bücher ja (auch) nach Aussehen. Und nach Empfehlung. Beides vorhanden, also schleich' ich mich kurz vor Ende auch noch dazu.
    Liebe Grüsse, Mo

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  22. Schade, die Verlosung hab ich verpasst, aber das Gansbuch steht auch in meinem Regal und das andere wird bestimmt sich bestimmt dazu gesellen! Ich kann den Satz: »Zeichnen kann leben retten.« nur unterschreiben, ich arbeite auch gern und viel und empfinde es als befriedigend und unbedingt Seelennotwendig. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich die ungestörte Zeit am Schreibtisch oft (nicht immer) dem "normalen" Urlaub vorziehen. Verstehen die wenigsten, aber ich brauche das einfach und es ist eines der Dinge, die ich im Moment am allermeisten vermisse (so schön es auch drumherum ist)!

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danke für deine zeit.