1.10.15

bandada



Bandada, zu deutsch vogelschwarm – diesen verheißungsvoll wohlklingenden titel trägt ein wunderschönes kinderbuch des mexikanischen künstlerduos david daniel álvarez hernández und mariá julia díaz garrido im spanischen original. all die poesie birgt er in sich, die sich ihrerseits beim durchblättern dieses philosophischen und künstlerischen kleinods entfaltet.

seine filigranität gelingt es dem vergleichsweise sperrigen und vielleicht eine spur allzu ausdeutenden deutschen titel Als die Vögel vergaßen, Vögel zu sein nicht in dem maße einzufangen; aber die buchdeckelbetrachtenden augäpfel verfangen sich ohnedies andernorts :: in der fabelhaft sublimen coverillustration.


im inneren des buches findet sie sich wieder; eine von insgesamt zwölf doppelseitigen, blattfüllenden bleistiftzeichnungen, die im malerisch anmutenden ausschöpfen des gesamten graustufenspektrums eine unwiderstehliche präzision, tiefe und feinnervigkeit erlangen und zeugnis ablegen von einem achtsamen blick für zwischentöne in jedem sinn. graphit, verdichtet zu anthropomorphen vogelgestalten, zu vögeln mit armen und beinen, menschen mit vogelköpfen, gewandet in opulent-barocke kleider.


sehr zurückhaltend gebart sich indes der stark reduzierte text. je zeichnung ein satz, gesetzt in unaufdringlicher serifenschrift. formal kaum raum beanspruchend, spannt er gewaltige denkfelder auf. wort und bild im freien tanz, jedes für sich und miteinander, im kontrapunktischen wechselspiel von ergänzung und kontrastierung. gedankenflüge. mit unfassbar viel gefühl. gefühl, das darin ruht, gefühl, das daraus wird.



es ist ein bedrückendes, dieses gefühl. denn verhandelt wird eine welt in moll. dahingestellt bleibe, inwiefern sich dieser dystopische klang auch der kinderleseseele erschließt, unberührt vom wissen um den unter der buchseitenoberfläche wabernden zivilisatorischen prozess. unverfälscht vielleicht auch; frei vom groben überstülpen eines plakativ-moralisierenden verständnisses dieses so unheimlich kunstvollen buches, dem wohl treffender zu begegnen ist mit einer lesart als subtile parabel über die im nicht-leben der eigenen besonderheit schlummernde unfreiheit und die damit verbundene melancholie.


und der möglichkeitssinn schimmert im schluss :: »Zum Glück gab es aber irgendwo noch jemanden, der sich einfach nur wünschte, seine Flügel auszubreiten und fliegen zu lernen.«

zum nicht geringeren glück gibt es solche (kinder-)bücher, die exemplarisch dafür stehen.


fotos 1,2,3 & 5 :: details
(zusätzl. foto :: klick)
ich danke dem aracari-verlag für das freundliche zur-verfügung-stellen eines rezensionsexemplars.




Kommentare :

  1. Ist das zauberhaft! Solch zu Herzen gehende, wunderbar gemachte Illustrationen! Ich bin sehr angerührt! Danke für den Buchtipp. Lustig, der Künstler heißt wie mein Sohn(na, jeweils einer der Vor- und Nachnamen zumindest..) liebe Wochenendgrüße von Ellen

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  2. gedankenflüge sind gut, auch wenn einmal das moll im vordergrund steht.
    das letzte bild hingegen stimmt mich sehr heiter.
    liebe grüße!

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  3. Wie wunderschön! Und bestimmt nicht "nur" ein Kinderbuch!

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    1. stimmt, für beobachter_innen und nachdenker_innen jeden alters.

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  4. Oh, das ist schön...wirklich schön! Ich bin ganz verzaubert...LG Lotta

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  5. was die können. wie die sind. wieder wieder gesten. :-)
    S*

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  6. oh!!!!! Ich liebe so schöne Kinderbücher! Nein ich liebe sie nicht nur, ich sammle auch solche die wirklich außergewöhnlich schön sind. Wobei bei mir das Augenmerk oft auf den Bildern liegt. Und dieses Exemplar hier passt mir so gut! Danke dir liebe Ulma für die immer genialen Kinderbuch Tips! Du triffst meinen Geschmack für Kinderbücher jedes mal total!
    Liebe Grüsse Nica

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  7. danke fürs vorstellen. habs mir gleich mal gemerkt. bilderbücher sind eben nicht nur für kinder da ;o)

    liebe grüße . tabea

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  8. Was für wunderschöne Zeichnungen! Die zweite hat es mit besonders angetan... in einer Art Heißlufballon immer man nach vorn. Herrlich!
    Viele liebe Grüße! Julika

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danke für deine zeit.